Freitag 8. Januar 12 Uhr – MailBombing-WAHRHEIT UND GERECHTIGKEIT FÜR ABDALLAH SAID UND STOPP DER QUARANTÄNESCHIFFE

MailBombing-WAHRHEIT UND GERECHTIGKEIT FÜR ABDALLAH SAID UND STOPP DER QUARANTÄNESCHIFFE

Abdallah Said stirbt am 15. September im Cannizzaro Krankenhaus in Catania. Er ist 17 Jahre alt. Die durch das Dekret des Leiters der Abteilung für Katastrophenschutz vom 12. April 2020 angeordneten gesundheitlichen Notfallmaßnahmen zur Bekämpfung von Covid-19 (SARS- COV-2) führten dazu, dass Abdallah Said für mehrere Tage auf dem Quarantäneschiff GNV Azzurra „eingesperrt“ wurde.

Es spricht nichts dafür, dass Schiffe geeignete Orte für Quarantäne und medizinische Versorgung nach einer Seenotrettung darstellen. Aus den vorliegenden Informationen geht hervor, dass der Zustand von Abdallah Said zum Zeitpunkt der Umschiffung bereits ernst war. Erst nach mehreren Tagen auf dem Quarantäneschiff GNV Azzurra wurde er notdringend ins Krankenhaus Cannizzaro verlegt, wo er dann an einer tuberkulösen Enzephalitis starb. Tuberkulose kann eine Vielzahl von oft unauffälligen Symptomen verursachen, die bei Fehlen entsprechender klinischer Untersuchungen und diagnostischer Tests nicht immer sofort erkennbar sind. Fieber, Asthenie, Gewichtsverlust und Husten; Symptome, mit denen sich die Krankheit im pulmonalen Stadium üblicherweise präsentiert, können sich insbesondere bei Immunschwäche und wenn die Krankheit nicht richtig erkannt und behandelt wird, schnell zu extrem schweren Krankheitsbildern entwickeln. Ist das zentrale Nervensystem betroffen, kann das zu einer Meningitis und/oder einer Enzephalitis führen. Erkrankungen, die wiederum schnell tödlich enden können.

Die Identifizierung, diagnostische Bestätigung und Übernahme eines Tuberkulosefalls erfordert die Verfügbarkeit von qualifiziertem Personal und adäquaten Hilfsmitteln für ein zeitnahes Vorgehen, was auf einer zum Quarantäneschiff umgebauten Fähre eindeutig nicht gegeben ist.

Obwohl Fälle dieser Schwere bei der überwiegenden Mehrheit der Migrant*innen, die in gutem Gesundheitszustand an unseren Küsten ankommen, glücklicherweise extrem selten sind, ist es die Pflicht der Behörden, dafür zu sorgen, dass ausnahmslos allen Menschen der Zugang zur bestmöglichen medizinischen Versorgung garantiert wird, falls dies erforderlich ist

Es sollte nicht nur eine eingehende systematische klinische Beurteilung bei der Ankunft gewährleistet sein, die darauf abzielt, dringende oder sich wahrscheinlich verschlimmernde Situationen sofort zu erkennen. Dazu gehört auch eine Beurteilung der psychologischen Verfassung der Ankommenden, die eine frühzeitige Identifizierung derjenigen Personen ermöglicht, die als Opfer von Gewalt und Folter auf ihrer Migrationsroute und insbesondere in Libyen die Möglichkeit haben sollten, eine spezialisierte Betreuung wahrzunehmen.  Auch weiterhin muss der Zugang zu medizinischer Versorgung ohne Hindernisse gegeben sein.

Darüber hinaus ist sich die internationale wissenschaftliche Gemeinschaft einig, dass Quarantäneschiffe kein geeigneter Ort für die Zwecke des Schutzes der öffentlichen Gesundheit sind, für die sie beabsichtigt sind. Das Zusammenlegen von Männern und Frauen, die engen Räume, die Überbelegung und die Unmöglichkeit, die Einhaltung der notwendigen Präventivmaßnahmen zu gewährleisten, machen sie zu einem potenziellen Infektionsherd. Ganz zu schweigen von den Aspekten der Einschränkung der persönlichen Freiheiten und des mangelnden Schutzes von schutzbedürftigen Gruppen, in diesem speziellen Fall unbegleitete Minderjährige, die ihre Einrichtung mit sich bringt.

Der Tod von Abdallah Said, sowie auch der von Abou Diakite, dem 15-jährigen Jungen aus der Elfenbeinküste, der am 5. Oktober im Ingrassia-Krankenhaus in Palermo starb, stehen für das Versagen unseres Rechtssystems. Die Maßnahmen, die dem Ziel des Schutzes der Gesundheit Aller dienen untergraben stattdessen das Wohl des Einzelnen.

Zu den Todesursachen von Abdallah Said wird ein erstes Ergebnis am 7. Januar nach der von seiner Familie beantragten Autopsie erwartet. Unabhängig vom Ergebnis sind wir davon überzeugt, dass gegen Abdallah Said die zigste Verletzung des Rechts auf Gesundheit begangen wurde: Er war nicht an einem geeigneten Ort, um behandelt zu werden, weder im Hinblick auf seine Krankheit noch im Hinblick auf sein minderjähriges Alter.

Abdallah war auf der Suche nach Freiheit. Er dachte, er hätte ein Land erreicht, in dem ihm nicht mehr der Tod drohte, in dem er nicht mehr inhaftiert werden könnte und in dem er vielleicht glaubte, seine Träume verwirklichen zu können.

Abdallah fand stattdessen in Italien ein neues Gefängnis vor, diesmal auf einem Schiff.
Abdallah starb in Italien, nachdem er Libyen und das Meer überlebt und wer weiß welch schreckliches Leid erlebt hatte.
Abdallah starb im Alter von 17 Jahren, allein.

Wir fordern die italienischen Behörden auf, die Faktoren, die zu dem inakzeptablen Tod von Abdallah Said geführt haben, schnellstmöglich zu ermitteln und den Einsatz von Quarantäneschiffen für angelandete Migrant*innen sofort auszusetzen. Stattdessen muss auf normale und würdevolle Verfahren der Quarantäne in Aufnahmeeinrichtungen an Land zurückgegriffen werden.

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