Aufruf: Schreibt mit an der Charta von Lampedusa!

Lampedusa – wir beginnen erneut von hier! Kommt und schreibt mit an der Charta von Lampedusa!
Askavusa: wir laden alle Vereine, Kollektive, italienische und europäische Organisationen zu einem großen Treffen mit der Bürgermeisterin Nicolini, den Fischern, den Händlern, den Rettern, den Migranten und allen Bürgern auf der Insel ein.
Es sind mehr als 20.000 (sichere) Migrations-Tote, die auf dem Grunde des Mittelmeeres liegen. Die unvermeidliche Tragödie des 3. Oktober hat neben dem Tod von Hunderten von Menschen auch viel Verstecktes ans Tageslicht kommen lassen. So ist nun ein für allemal klar geworden, dass das politische Paradoxon der Schließung der Grenzen einerseits für das öknomische globale System förderliche Irreguläre schafft, andererseits die Migranten als Verantwortlichen des Scheiterns dieses Modells identifizieren.

Trotz allem fordern Politiker und angebliche Verteidiger der Demokratie und der Menschenrechte weitere Verstärkung der militärischen Mittel von Frontex und eines europäischen Kontroll- und Schutzplanes der Grenzen und stellen die Militarisierung als einziges fähiges Modell hin, um die Tragödien auf See zu vermeiden.
Das Gegenteil konnte leider wenige Tage später bewiesen werden, als ein weiterer Schiffbruch in der Nähe der Insel Dutzende von Toten gefordert hat.
Seit mehr als 20 Jahren sind alle europäische Staaten damit beschäftigt, die Schutzmechanismen gegen die irreguläre Migration auf- und auszubauen und dies als Grundpfeiler der nationalen und europäischen Migrationspolitiken zu etablieren.

Indessen atmet der in einem geschlossenen, unwürdigen Zentrum gefangen gehaltene Migrant, dessen Schicksal ihn zu einem Rädchen im Getriebe des großen Business werden lässt, die selbe Luft, die eine lampedusanische Frau einatmet, die ihr Kind nicht auf Lampedusa zur Welt bringen kann, weil die medinzischen Voraussetzungen fehlen, oder wie jemand, der während des Transports mit dem Hubschrauber wegen eines Notfalls auf das Festland riskiert zu sterben, obwohl ein vorhandenes Krankenhaus das hätte verhindern können; wie Kinder, die in nicht fachgerechte Schulen gehen müssen, wie ein Bürger, der gezwungen ist, das teuerste Benzin Europas zu zahlen und der vielleicht, wenn er ein Fischer ist, gezwungen ist, sein Boot zu verschrotten, da das Benzin zu teuer ist.

Von diesem Punkt müssen wir heute erneut beginnen.

Wir können die ewigen Versprechen einer Änderung, die Wahlkampfslogans, die aus gegebenem Anlass an einem Abend vergossenen (Krokodils-)Tränen nicht mehr ertragen.
Wir wollen uns mit denjenigen, die glauben, dass diese Tragödien hätten vermieden werden können und für die eine Änderung möglich erscheint, zusammenfinden.

Wir wollen über realistische Vorschläge wie zum Beispiel über einen humanitären Korridor, die Abschaffung des Bossi-Fini-Gesetzes, ein neues Aufnahmesystem, über die Abschaffung der Internierung und das Überdenken der Dublin-Verordnung, über ein neues Europa, das auf Rechten basiert, reden.

Dazu laden wir alle Vereine, Kollektive, italienische und europäische Organisationen ein, an dem großen Treffen mit der Bürgermeisterin Nicolini, den Fischern, den Händlern, den Rettern, den Migranten und allen Bürger/innen Lampedusas teilzunehmen und gemeinsam eine Charta von Lampedusa zu verfassen.

Associazione Askavusa

Der nächste Schritt für die Charta von Lampedusa wird eine virtuelle Konferenz sein, die in den nächsten Wochen über www.meltinpot.org organisiert wird. Auf dieser web-Konferenzwerden wir gemeinsam das Treffen auf Lampedusa vorbereiten. Weitere Informationen folgen in Kürze.

Aus dem Italienischen von Judith Gleitze