Lampedusa: Rede eines eritreischen Flüchtlings


Während des Protestes der Eritreer auf Lampedusa wurde gemeinsam mit den Flüchtlingen und Besuchern des Lampedusa-Film-Festivals über weitere Strategien diskutiert. Einer der Flüchtlinge erläutert die Beweggründe der Demonstration:
„Vielen Dank für die Einladung. Wir haben eine lange Reise überlebt, viele von uns haben Freunde oder Verwandte verloren und wir möchten uns bedanken, dass uns hier das Leben gerettet wurde.
Auch Gott möchten wir danken, da wir sehr religiös sind.
Wir wissen, dass einige unserer Freunde, die zum Beispiel in Rom sind, sich in sehr schwierigen Situationen befinden. Deshalb wollen wir unsere Fingerabdrücke hier nicht abgeben, um nicht in Italien bleiben zu müssen.
10 Tage haben wir im Auffanglager auf eine Antwort unserer Anfragen gewartet. Am Anfang haben wir unsere Namen und Fotos abgegeben, weil uns versprochen wurde, dass wir sofort verlegt werden würden. Das ist leider nicht passiert. Außerdem haben sie beispielsweise die Behandlung der Kranken verweigert, nur weil wir die Fingerabdrücke nicht abgeben wollten.
Wir bitten nicht um Essen etc., wir möchten nur in einem sicheren Land sein, wo unsere Rechte geschützt sind. Natürlich wissen wir, dass nach Sizilien kommen nicht heißt, dass wir dort unsere Fingerabdrücke nicht abgeben müssen.
Im Namen der Migranten bitten wir, uns nicht zu trennen, damit wir unsere Kraft nicht verlieren, und uns dorthin gehen zu lassen, wo wir politisches Asyl beantragen möchten.

Wir wünschen uns, dass alle hören, was wir sagen, und bitten euch, uns in unserem Protest zu unterstützen und uns die Hand zu geben.“

Aus dem Italienischen von Jana Freudenberger, Fotos: Hagen Kopp