Newsletter Siciliamigrants – Februar 2017

  • Der leise Kampf Europas gegen Migrant*innen, von illegalen Praktiken, Kollektivabschiebungen bis zur Verbannung
  • Lampedusas Hotspot: neue Ankömmlinge und tägliche Gewalt
  • Augusta: unwürdige Behandlungen, Misshandlung und Verhaftungen warten auf jene, die die Meeresüberfahrt überleben
  • News und Veranstaltungen: in Messina wurde die Palanebiolo-Zeltstadt abgebaut. In Catania findet das dritte Event des internationalen Projektes “KideM” statt
  • Infos und Kontakt


DER LEISE KAMPF EUROPAS GEGEN MIGRANT*INNEN, VON ILLEGALEN PRAKTIKEN, SAMMELABSCHIEBUNGEN BIS HIN ZUR VERBANNUNG
Das Aufnahme- und Asylsystem in Italien stellt sich immer mehr als Fabrik von Unregelmäßigkeiten heraus, die Abschottung, Misshandlungen und den Zerfall von Rechten und der Menschenwürde produziert. Während die Medien völig stumm bleiben, werden am Hafen von Trapani die Körper zweier Kinder im Alter von fünf und acht Jahren angespült, die das Meer und die kriminellen Politiken der Festung Europa nicht überlebt haben. Auf gleicher Weise wird nicht über die Abschiebung 200 Marokkaner*innen berichtet, die zwar lebend an unseren Küsten ankamen, aber zwangsweise auf ein System treffen, das selektiv ist und ausschließt, und somit die Migrant*innen zu einer Zukunft verdammt, die von Unsichtbarkeit, Ausbeutung und Hoffnungslosigkeit gezeichnet ist.

http://139.59.164.81/2017/02/01/nicht-nur-das-meer/

In den Camps von Pian del Lago in Caltanissetta leben circa 30 pakistanische, bengalische und afrikanische Bürger*innen in Behausungen unter den Autobahnbrücken, ohne Wasser, Essen, Hygieneeinrichtungen und ohne jegliche Hilfe. Unter ihnen sind Personen, die seit geraumer Zeit auf eine formale Antwort auf ihre Anträge auf internationalen Schutz warten und auf einen Platz im nahegelegenen CARA warten. Minderjährige wurden als Erwachsene identifiziert, Menschen aus der Elfenbeinküste ohne offensichtliche Gründe abgelehnt und ohne angemessene Informationen über ihre Rechte. Viele junge Menschen leben immer noch auf der Straße, selbst wenn ihnen der Status auf internationalen Schutz zugesprochen wurde.

http://139.59.164.81/2017/02/02/besuche-im-zeltlager-von-pian-del-lago/

Borderline Sicilia äußert Beunruhigung über das Telegramm vom Präfekten Pinto an die Polizeipräsidien Italiens. Mit der Bestimmung der Abteilung für Innere Sicherheit beginnen Rasterfahndungen “irregulärer” nigerianischer Bürger*innen, um diese in den Identifikations- und Abschiebezentren (CIE) einzusperren und in ihre Heimatländer zurückzuführen, was in Hinsicht auf ihre Rechte unbegreiflich ist, denn es schafft Diskrimination und macht den Weg für Sammelabschiebungen frei – auch von Asylsuchenden und Opfern von Menschenhandel. Solche Abschiebungen sind auschließlich aufgrund der Nationalität festgelegt und missachten persönliche Erlebnisse der einzelnen Personen. Es ist auch inakzeptabel und besorgniserregend, dass Italien, um “Flüchtlingswellen” einzusperren, mit Libyen Abkommen schließt, wo Männer, Frauen und Kinder, die in Camps eingesperrt sind, systematisch jegliche Art von Gewalt erfahren.

http://139.59.164.81/2017/02/03/rasterfahndungen-und-abkommen-mi/

HOTSPOT AUF LAMPEDUSA: NEUE ANKÖMMLINGE UND TÄGLICHE GEWALT
Auf der Insel kommen innerhalb von 1000 Personen an und es zeigen sich, wie immer, wenn es um so nahe Landungen geht, mal wieder alle Grenzen der Ineffizienz eines Aufnahmesystems, das am Kollabieren ist. Der Hotspot im Umland von Imbriacola ist komplett überfüllt. Männer, Frauen und Minderjährige, auch unbegleitete, die völlig erschöpft von der langen Reise über das Mittelmeer sind, schlafen in Massen auf dem dreckigen Boden, ohne Kleidung oder Decken, und warten darauf, endlich an einen anderen Ort verlegt zu werden.

http://139.59.164.81/2017/02/09/schwerste-verletzungen-der-rechtsnormen/

IN AUGUSTA WARTEN UNWÜRDIGE BEHANDLUNGEN, MISSHANDLUNGEN UND VERHAFTUNGEN JENE, DIE DIE ÜBERFAHRT ÜBERLEBEN
In einem kulturellen Klima, das von einem immer weiter um sich greifenden Rassismus gezeichnet ist, fangen Disktriminierungen gegen Migrant*innen bereits beim Anlegen an. Innerhalb von zwei Tagen sind in Augusta mehr als 1500 Personen angekommen: in der Zeltstadt des Hafens sind unter unmenschlichen Bedingungen hunderte Personen zusammengepfercht worden, unter ihnen auch Familien mit kleinen Kindern, Minderjährige und Schwangere. Das sind inakzeptable Rechtsverletzungen, die allerdings zu einer gefestigten Praxis werden und im Namen von “Notfällen” gerechtfertigt.
http://siciliamigranti.blogspot.it/2017/02/leggi-razziste-e-discriminazioni.html

NEUIGKEITEN UND EVENTS: IN MESSINA WIRD DIE ZELTSTADT VON PALANEBIOLO ABGEBAUT. IN CATANIA FINDET DAS DRITTE EVENT DES PROJEKTS “KIDEM” STATT
Mehr als drei Jahre lang hat sie unter beschämenden Bedingungen tausende Asylbewerber aus Afrika, Asien und dem Nahen Osten beherbergt. Am 30. Dezember 2016 wurde die Zeltstadt, nachdem sie vom Polizeipräsidium von Messina als untauglich erklärt wurde, geschlossen und die Migrant*innen wurden in andere Zentren verlegt, damit sie definitiv bis Anfang Februar abgebaut sein wird. Jetzt bleibt nur noch die Ungewissheit über die Zukunft der ehemaligen Kaserne von Bisconte, wo in drei Hallen 200 Personen untergekommen sind und unter denen sich viele unbegleitete Minderjährige befinden, die dort in vermischter Unterbringung mit den Erwachsenen leben.

http://139.59.164.81/2017/02/05/messina-zeltstadt-am-palanebiolo/

Wegen Menschenhandel ins Gefängnis: die “erzwungenen Schleuser*innen”. Wie kommt man dazu, in einem historischen Moment in Europa um Schutz zu bitten, in dem aber Menschenrechte und fundamentale Freiheiten in Konflikt treten mit der Sicherheitspolitik und den Gesetzen Europas? Darüber wurde nun in Catania bei der dritten Veranstaltung des transnationalen europäischen Projektes “Kontroversen in der europäischen Migrationspolitik – Schutzgewährung versus Grenzsicherung (KideM)” gesprochen und man nahm sich der Bewegungen der “mutmaßlichen Schleuser*innen” an.

http://139.59.164.81/2017/02/19/wegen-menschenhandels-ins-gefangnis-die/

INFORMATIONEN UND KONTAKT
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Übersetzung aus dem Italienischen von Sophia Bäurle